8. August 2026

KI in der ZFA-Ausbildung: Warum der Jahrgang 2026 anders lernen wird als alle vor ihm

Neue ZFA-Auszubildende starten mit KI-Gewohnheiten ins Berufsleben, die ihre Vorgänger erst entwickeln mussten. Was Ausbildungsbetriebe und Berufsschulen jetzt damit anfangen können — und warum das eine Chance ist.

Steffen Schuster

Steffen Schuster

Pädagoge & KI-Pionier aus Hamburg. Gründer von nora-ki.de und educube GmbH.

Letzte Woche saß ich mit einer Ausbildungsleiterin aus einer Hamburger Zahnarztpraxis zusammen. Anfang August, kurz vor dem Schuljahresbeginn, ein Kaffee auf dem Tisch und eine Frage, die mich seitdem beschäftigt: „Steffen, die neuen Azubis kommen mit ChatGPT im Kopf. Was machen wir jetzt damit?"

Ein neuer Jahrgang — mit neuen Gewohnheiten

Der Jahrgang 2026 ist der erste, der komplett mit KI-Tools aufgewachsen ist. Nicht als Experiment, nicht als Sonderprojekt — sondern als Teil des Alltags. Diese Azubis haben KI genutzt, um Texte zu strukturieren, Lernstoff zusammenzufassen, Vokabeln zu wiederholen, Fragen zu formulieren. Sie wissen, wie man fragt. Was sie oft noch nicht wissen: wie man das, was eine KI antwortet, wirklich einordnet.

Das ist der Ausgangspunkt. Nicht die Frage, ob KI in die Ausbildung gehört — sie ist bereits drin. Die Frage ist: Was machen wir als Ausbildungsbetriebe und Berufsschulen jetzt damit?

Ich kenne Betriebe, die KI-Tools komplett verbieten. Ich kenne andere, die sie stillschweigend dulden. Und ich kenne einen wachsenden Teil, der anfängt, sie aktiv einzusetzen — mit Haltung, mit Struktur, mit pädagogischem Sinn. Die letzte Gruppe hat meiner Einschätzung nach den besseren Weg gewählt.

Was diese Azubis wirklich brauchen

1. Verlernen wir das Denken — oder lernen wir anders zu denken?

Die häufigste Sorge, die ich höre: „Wenn KI die Antworten liefert, lernen die Azubis nicht mehr, selbst zu denken." Ich verstehe die Sorge. Und ich teile sie — für einen bestimmten Einsatz von KI.

Wenn eine Auszubildende ChatGPT fragt „Was ist der Unterschied zwischen Supra- und Subgingival?" und die Antwort einfach abschreibt, hat sie nichts gelernt. Wenn sie aber fragt: „Erkläre mir den Unterschied, als würde ich das zum ersten Mal hören — und stell mir danach drei Kontrollfragen" — dann ist das ein aktiver Lernprozess. Einer, der genau das verlangt, was Lernen verlangt: Auseinandersetzung.

KI macht das Denken nicht überflüssig. Falsch eingesetzt ersetzt sie es. Richtig eingesetzt macht sie es sichtbarer, strukturierter, zugänglicher — besonders für Azubis, die im Klassenverband nicht den Mut haben, zum dritten Mal nachzufragen.

2. Individuelles Lernen — was Berufsschule oft nicht schafft

Dreißig Azubis in einem Klassenraum. Unterschiedliche Lerntempos, unterschiedliches Vorwissen, unterschiedliche Lebenssituationen. Eine Lehrkraft, ein Stundenplan, ein Tempo. Das ist die Realität vieler Berufsschulen — und das ist keine Kritik an den Lehrenden, sondern eine strukturelle Beschreibung eines Systems, das seine Grenzen hat.

KI kann hier etwas tun, was im Klassenverband kaum möglich ist: auf das individuelle Niveau eingehen. Eine Azubi, die Schwierigkeiten mit der Abrechnung hat, kann sich einen Erklärungspartner holen, der unbegrenzt Geduld hat und immer neu ansetzt. Eine andere, die schnell vorankommt, kann sich mit Prüfungsaufgaben auf höherem Niveau herausfordern lassen. Nicht als Ersatz für gute Ausbildung — sondern als Erweiterung, die Berufsschule strukturell nicht leisten kann.

Das ist keine Zukunftsvision. Das funktioniert heute. Ich sehe es in den Rückmeldungen der Azubis, die mit nora-ki.de arbeiten, und in der wachsenden Zahl von Betrieben, die gezielt auf solche Lernunterstützung setzen.

3. KI-Kompetenz als echter Berufsvorteil

Hier bin ich direkt: Azubis, die KI sinnvoll einsetzen können, werden sich von anderen unterscheiden. Nicht weil KI alles besser macht — sondern weil die Fähigkeit, präzise zu formulieren, gute Fragen zu stellen und Informationen kritisch einzuordnen, eine Kernkompetenz für jeden Wissensberuf ist. In der Zahnarztpraxis wie anderswo.

Praxismanagement, Patientenkommunikation, Abrechnungsfragen, Vorbereitung auf die Abschlussprüfung — KI kann in all diesen Bereichen ein hilfreicher Lernpartner sein. Wer im ersten Ausbildungsjahr lernt, wie man sie richtig einsetzt, trägt diese Kompetenz durch die gesamte Berufsbiografie.

Was wir daraus mitnehmen

  • KI ist kein Problem, das gelöst werden muss: Azubis bringen KI-Erfahrung mit — das ist eine Ressource, keine Bedrohung.
  • Die Frage ist nicht ob, sondern wie: Wer KI im Ausbildungskontext ignoriert, überlässt die Nutzung den Azubis ohne Orientierung.
  • Reflexion schlägt Verbot: Ein Gespräch über gute vs. schlechte KI-Nutzung lehrt mehr als eine Richtlinie, die niemand versteht.
  • Individualisierung ist endlich möglich: KI ermöglicht Lerntempo und Lerntiefe, die im Klassenverband nicht erreichbar sind.
  • Prompt-Kompetenz ist Fachkompetenz: Wer präzise fragt, bekommt präzise Antworten — das gilt für KI wie für das Gespräch mit der Praxisleitung.

Fazit

Der Jahrgang 2026 startet nicht mit weniger Voraussetzungen als frühere Jahrgänge. Er startet mit anderen. KI-Kompetenz gehört dazu — roh, unstrukturiert, oft noch unreflektiert. Unsere Aufgabe als Ausbildende und Lehrende ist es, daraus etwas Belastbares zu machen.

Das gelingt nicht durch Verbote und nicht durch unkritisches Gutheißen. Es gelingt durch die Auseinandersetzung damit — konkret, im Berufsalltag, mit echten Praxisfragen. Wie nutzen wir KI hier in unserer Praxis? Was darf sie, was muss der Mensch entscheiden? Das sind gute Fragen für ein erstes Gespräch mit den neuen Azubis.

Ich bin gespannt auf diesen Jahrgang. Sie kommen mit Werkzeugen, die wir selbst gerade erst lernen einzusetzen. Vielleicht lernen wir voneinander mehr, als wir denken.

Für ZFA-Auszubildende, die KI strukturiert in ihre Lernroutine integrieren wollen, gibt es Lina ZFA auf nora-ki.de — eine spezialisierte KI-Lernassistentin, die ich gebaut habe, weil ich wollte, dass Azubis mehr als nur ChatGPT haben.

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Häufige Fragen

Schadet KI dem eigenständigen Denken in der ZFA-Ausbildung?
Nein — wenn sie richtig eingesetzt wird. KI wird zum Problem, wenn sie Antworten liefert, bevor der Lernende selbst nachgedacht hat. Sie wird zum Vorteil, wenn sie als Gesprächspartner eingesetzt wird, der Fragen stellt, Zusammenhänge erklärt und Wissenslücken sichtbar macht. Der entscheidende Unterschied: Nutzt der Azubi KI als Abkürzung oder als Werkzeug zum Denken?
Welche KI-Kompetenzen sind für ZFA-Auszubildende besonders wichtig?
Die wichtigste Kompetenz ist nicht das Bedienen eines Tools — es ist die Fähigkeit, gute Fragen zu stellen. Azubis, die präzise Prompts formulieren können, bekommen präzise Antworten. Dazu kommt: Quellen hinterfragen, KI-Ausgaben einschätzen und wissen, wann man auf eigenes Fachwissen vertrauen muss statt auf eine KI-Antwort.
Darf man in der Berufsschule oder Ausbildung KI nutzen?
Das ist Sache der jeweiligen Schule und des Betriebs. Viele Berufsschulen erlauben KI-Tools mittlerweile explizit für bestimmte Aufgaben, andere haben noch keine klare Regelung. Wichtiger als die Frage des Erlaubens ist die Frage des Lernens: Azubis sollten wissen, wie man KI sinnvoll nutzt — damit sie auch entscheiden können, wann es besser ist, sie nicht zu nutzen.
Wie kann ich als Ausbildungsbetrieb KI sinnvoll in die ZFA-Ausbildung integrieren?
Konkret: Lass Azubis KI für Lernvorbereitung, Fachbegriffe-Erklärungen und Prüfungsvorbereitung nutzen — aber mit Reflexionsrunde. Frag sie, was die KI gesagt hat, ob das stimmt und wie sie es überprüft haben. Das stärkt Fachkompetenz und kritisches Denken gleichzeitig. Klare Regeln für den Einsatz schaffen mehr Sicherheit als ein generelles Verbot.
Was ist nora-ki.de und wie hilft es ZFA-Auszubildenden?
nora-ki.de ist eine KI-Lernplattform, die speziell für Lernende in Ausbildung und Schule entwickelt wurde. Für ZFA-Azubis gibt es Lina ZFA — eine spezialisierte KI-Assistentin, die Fachbegriffe erklärt, Prüfungsvorbereitung unterstützt und Azubis beim Verstehen von Praxisabläufen begleitet. Kostenlos ausprobierbar unter nora-ki.de.