Letzte Woche saß ich mit einer Ausbildungsleiterin aus einer Hamburger Zahnarztpraxis zusammen. Anfang August, kurz vor dem Schuljahresbeginn, ein Kaffee auf dem Tisch und eine Frage, die mich seitdem beschäftigt: „Steffen, die neuen Azubis kommen mit ChatGPT im Kopf. Was machen wir jetzt damit?"
Der Jahrgang 2026 ist der erste, der komplett mit KI-Tools aufgewachsen ist. Nicht als Experiment, nicht als Sonderprojekt — sondern als Teil des Alltags. Diese Azubis haben KI genutzt, um Texte zu strukturieren, Lernstoff zusammenzufassen, Vokabeln zu wiederholen, Fragen zu formulieren. Sie wissen, wie man fragt. Was sie oft noch nicht wissen: wie man das, was eine KI antwortet, wirklich einordnet.
Das ist der Ausgangspunkt. Nicht die Frage, ob KI in die Ausbildung gehört — sie ist bereits drin. Die Frage ist: Was machen wir als Ausbildungsbetriebe und Berufsschulen jetzt damit?
Ich kenne Betriebe, die KI-Tools komplett verbieten. Ich kenne andere, die sie stillschweigend dulden. Und ich kenne einen wachsenden Teil, der anfängt, sie aktiv einzusetzen — mit Haltung, mit Struktur, mit pädagogischem Sinn. Die letzte Gruppe hat meiner Einschätzung nach den besseren Weg gewählt.
Die häufigste Sorge, die ich höre: „Wenn KI die Antworten liefert, lernen die Azubis nicht mehr, selbst zu denken." Ich verstehe die Sorge. Und ich teile sie — für einen bestimmten Einsatz von KI.
Wenn eine Auszubildende ChatGPT fragt „Was ist der Unterschied zwischen Supra- und Subgingival?" und die Antwort einfach abschreibt, hat sie nichts gelernt. Wenn sie aber fragt: „Erkläre mir den Unterschied, als würde ich das zum ersten Mal hören — und stell mir danach drei Kontrollfragen" — dann ist das ein aktiver Lernprozess. Einer, der genau das verlangt, was Lernen verlangt: Auseinandersetzung.
KI macht das Denken nicht überflüssig. Falsch eingesetzt ersetzt sie es. Richtig eingesetzt macht sie es sichtbarer, strukturierter, zugänglicher — besonders für Azubis, die im Klassenverband nicht den Mut haben, zum dritten Mal nachzufragen.
Dreißig Azubis in einem Klassenraum. Unterschiedliche Lerntempos, unterschiedliches Vorwissen, unterschiedliche Lebenssituationen. Eine Lehrkraft, ein Stundenplan, ein Tempo. Das ist die Realität vieler Berufsschulen — und das ist keine Kritik an den Lehrenden, sondern eine strukturelle Beschreibung eines Systems, das seine Grenzen hat.
KI kann hier etwas tun, was im Klassenverband kaum möglich ist: auf das individuelle Niveau eingehen. Eine Azubi, die Schwierigkeiten mit der Abrechnung hat, kann sich einen Erklärungspartner holen, der unbegrenzt Geduld hat und immer neu ansetzt. Eine andere, die schnell vorankommt, kann sich mit Prüfungsaufgaben auf höherem Niveau herausfordern lassen. Nicht als Ersatz für gute Ausbildung — sondern als Erweiterung, die Berufsschule strukturell nicht leisten kann.
Das ist keine Zukunftsvision. Das funktioniert heute. Ich sehe es in den Rückmeldungen der Azubis, die mit nora-ki.de arbeiten, und in der wachsenden Zahl von Betrieben, die gezielt auf solche Lernunterstützung setzen.
Hier bin ich direkt: Azubis, die KI sinnvoll einsetzen können, werden sich von anderen unterscheiden. Nicht weil KI alles besser macht — sondern weil die Fähigkeit, präzise zu formulieren, gute Fragen zu stellen und Informationen kritisch einzuordnen, eine Kernkompetenz für jeden Wissensberuf ist. In der Zahnarztpraxis wie anderswo.
Praxismanagement, Patientenkommunikation, Abrechnungsfragen, Vorbereitung auf die Abschlussprüfung — KI kann in all diesen Bereichen ein hilfreicher Lernpartner sein. Wer im ersten Ausbildungsjahr lernt, wie man sie richtig einsetzt, trägt diese Kompetenz durch die gesamte Berufsbiografie.
Der Jahrgang 2026 startet nicht mit weniger Voraussetzungen als frühere Jahrgänge. Er startet mit anderen. KI-Kompetenz gehört dazu — roh, unstrukturiert, oft noch unreflektiert. Unsere Aufgabe als Ausbildende und Lehrende ist es, daraus etwas Belastbares zu machen.
Das gelingt nicht durch Verbote und nicht durch unkritisches Gutheißen. Es gelingt durch die Auseinandersetzung damit — konkret, im Berufsalltag, mit echten Praxisfragen. Wie nutzen wir KI hier in unserer Praxis? Was darf sie, was muss der Mensch entscheiden? Das sind gute Fragen für ein erstes Gespräch mit den neuen Azubis.
Ich bin gespannt auf diesen Jahrgang. Sie kommen mit Werkzeugen, die wir selbst gerade erst lernen einzusetzen. Vielleicht lernen wir voneinander mehr, als wir denken.
Für ZFA-Auszubildende, die KI strukturiert in ihre Lernroutine integrieren wollen, gibt es Lina ZFA auf nora-ki.de — eine spezialisierte KI-Lernassistentin, die ich gebaut habe, weil ich wollte, dass Azubis mehr als nur ChatGPT haben.
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