Vor zwei Wochen hat in den meisten Bundesländern das neue Schuljahr begonnen. Neue Klassenlisten, neue Stundenpläne, neue Gesichter im Lehrerzimmer — und, wenn man den aktuellen Zahlen glaubt, größtenteils immer noch keine Klarheit darüber, wie KI im Unterricht eigentlich gehandhabt werden soll.
Eine aktuelle Befragung von Lehrkräften zeigt: 88 Prozent haben sich bislang kaum oder gar nicht mit den Regelungen beschäftigt, die für den Umgang mit KI an ihrer Schule gelten. 78 Prozent begründen das damit, dass neben dem regulären Unterricht schlicht keine Zeit dafür bleibt. Das ist keine Kritik an Lehrkräften — das ist eine ehrliche Beschreibung eines Systems, das gerade an vielen Stellen gleichzeitig überfordert ist.
Genau deshalb sind die ersten Wochen nach dem Schulstart der beste Moment, das Thema anzugehen — nicht trotz, sondern wegen der Betriebsamkeit. Klassenregeln werden ohnehin gerade neu besprochen, Erwartungen an das Schuljahr formuliert, Elternabende vorbereitet. KI-Regeln lassen sich in diesen Rhythmus einbauen, statt sie als zusätzliches Sonderprojekt im November nachzuschieben, wenn der erste Streitfall um eine KI-geschriebene Hausaufgabe längst da ist.
Wer wartet, klärt die Regeln am Ende reaktiv — nach dem ersten Vorfall, unter Zeitdruck, oft uneinheitlich zwischen Kolleginnen und Kollegen. Wer die ersten Wochen nutzt, klärt sie proaktiv, in Ruhe, und mit der Chance, dass die ganze Schule an einem Strang zieht.
Eine bayerische Handreichung für Schulen bringt es auf den Punkt: KI eignet sich gut für Vorbereitung und Verwaltung — Aufgaben entwerfen, Texte differenzieren, Elternbriefe formulieren. Die pädagogische Verantwortung, was im Klassenzimmer passiert, bleibt bei der Lehrkraft. Diese Trennung lässt sich in einem kurzen Gespräch im Kollegium festhalten, ohne dass es eine offizielle Dienstanweisung braucht.
Hier lohnt sich Klarheit mehr als Strenge. Ein pauschales Verbot ist schwer durchzusetzen und schwer zu kontrollieren. Sinnvoller ist eine einfache, für Schülerinnen und Schüler verständliche Regel: Wofür darf KI als Werkzeug genutzt werden (Ideen sammeln, Verstehen, Üben), wofür nicht (die fertige Lösung abgeben). Diese Regel muss nicht perfekt sein — sie muss kommuniziert sein.
Keine personenbezogenen Schülerdaten in öffentliche KI-Systeme. Für reine Unterrichtsvorbereitung ohne Namen oder Klassenbezug ist ein KI-Tool in der Regel unproblematisch. Sobald es um einzelne Kinder geht, gehört das in ein von der Schule bereitgestelltes, datenschutzkonformes Tool — nicht in einen privaten Account.
Passend zum Schulstart hat eine von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission vorgeschlagen, für Grundschulkinder einen verpflichtenden KI-Grundschein einzuführen — in Anlehnung an das Schwimm-Seepferdchen. Dazu käme verbindliche Medienbildung im Lehramtsstudium. Ob und wie das kommt, ist offen. Aber die Richtung ist bemerkenswert: KI-Kompetenz wird zunehmend als Grundfertigkeit gedacht, ähnlich wie Schwimmen oder Lesen — nicht als Zusatzthema für technikaffine Lehrkräfte.
Die Regeln müssen nicht am ersten Schultag perfekt stehen. Aber die ersten Wochen sind der Moment, in dem sich Zeit dafür findet, bevor der Alltag sie wieder auffrisst. Drei Fragen, zehn Minuten im Kollegium, ein verständlicher Satz für die Klasse — das ist realistischer als eine ausgefeilte Richtlinie, die nie fertig wird, weil niemand die Zeit dafür findet.
Ich sehe in Workshops immer wieder: Die Schulen, die früh eine einfache, gemeinsame Linie finden, haben im Laufe des Schuljahres deutlich weniger Konflikte als die, die das Thema vor sich herschieben. Nicht weil ihre Regeln perfekter sind — sondern weil überhaupt welche existieren.
Für Schülerinnen und Schüler, die KI strukturiert zum Üben nutzen wollen, gibt es schoolbook auf nora-ki.de — KI-Lernbuddys, die ich mit educube entwickelt habe, damit digitales Lernen eine sinnvolle Ergänzung zum Unterricht bleibt, kein Ersatz dafür.
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