15. September 2026

Schulstart 2026: Warum die ersten Wochen der beste Zeitpunkt sind, KI-Regeln zu klären

88 Prozent der Lehrkräfte haben sich laut einer aktuellen Befragung noch kaum mit KI-Regelungen für die Schule beschäftigt. Praktische erste Schritte für den Schulalltag — statt Theorie, die im Kollegiumsordner verstaubt.

Steffen Schuster

Steffen Schuster

Pädagoge & KI-Pionier aus Hamburg. Gründer von nora-ki.de und educube GmbH.

Vor zwei Wochen hat in den meisten Bundesländern das neue Schuljahr begonnen. Neue Klassenlisten, neue Stundenpläne, neue Gesichter im Lehrerzimmer — und, wenn man den aktuellen Zahlen glaubt, größtenteils immer noch keine Klarheit darüber, wie KI im Unterricht eigentlich gehandhabt werden soll.

Eine aktuelle Befragung von Lehrkräften zeigt: 88 Prozent haben sich bislang kaum oder gar nicht mit den Regelungen beschäftigt, die für den Umgang mit KI an ihrer Schule gelten. 78 Prozent begründen das damit, dass neben dem regulären Unterricht schlicht keine Zeit dafür bleibt. Das ist keine Kritik an Lehrkräften — das ist eine ehrliche Beschreibung eines Systems, das gerade an vielen Stellen gleichzeitig überfordert ist.

Warum die ersten Wochen der richtige Zeitpunkt sind

Genau deshalb sind die ersten Wochen nach dem Schulstart der beste Moment, das Thema anzugehen — nicht trotz, sondern wegen der Betriebsamkeit. Klassenregeln werden ohnehin gerade neu besprochen, Erwartungen an das Schuljahr formuliert, Elternabende vorbereitet. KI-Regeln lassen sich in diesen Rhythmus einbauen, statt sie als zusätzliches Sonderprojekt im November nachzuschieben, wenn der erste Streitfall um eine KI-geschriebene Hausaufgabe längst da ist.

Wer wartet, klärt die Regeln am Ende reaktiv — nach dem ersten Vorfall, unter Zeitdruck, oft uneinheitlich zwischen Kolleginnen und Kollegen. Wer die ersten Wochen nutzt, klärt sie proaktiv, in Ruhe, und mit der Chance, dass die ganze Schule an einem Strang zieht.

Drei Fragen, die jedes Kollegium in den ersten Wochen klären kann

1. Wofür KI nutzen — und wo bleibt die pädagogische Verantwortung?

Eine bayerische Handreichung für Schulen bringt es auf den Punkt: KI eignet sich gut für Vorbereitung und Verwaltung — Aufgaben entwerfen, Texte differenzieren, Elternbriefe formulieren. Die pädagogische Verantwortung, was im Klassenzimmer passiert, bleibt bei der Lehrkraft. Diese Trennung lässt sich in einem kurzen Gespräch im Kollegium festhalten, ohne dass es eine offizielle Dienstanweisung braucht.

2. Wann ist KI bei Hausaufgaben und Bewertungen erlaubt?

Hier lohnt sich Klarheit mehr als Strenge. Ein pauschales Verbot ist schwer durchzusetzen und schwer zu kontrollieren. Sinnvoller ist eine einfache, für Schülerinnen und Schüler verständliche Regel: Wofür darf KI als Werkzeug genutzt werden (Ideen sammeln, Verstehen, Üben), wofür nicht (die fertige Lösung abgeben). Diese Regel muss nicht perfekt sein — sie muss kommuniziert sein.

3. Datenschutz: die eine Faustregel, die wirklich zählt

Keine personenbezogenen Schülerdaten in öffentliche KI-Systeme. Für reine Unterrichtsvorbereitung ohne Namen oder Klassenbezug ist ein KI-Tool in der Regel unproblematisch. Sobald es um einzelne Kinder geht, gehört das in ein von der Schule bereitgestelltes, datenschutzkonformes Tool — nicht in einen privaten Account.

Praktische erste Schritte für den Schulalltag

  • Zehn Minuten in der nächsten Fachkonferenz reservieren. Nicht mehr — nur genug, um die drei Fragen oben einmal gemeinsam durchzugehen.
  • Herausfinden, welches Tool die eigene Schule bereits lizenziert hat. Je nach Bundesland ist das zum Beispiel Fobizz oder Telli — meist weiß es die Schulleitung oder die Medienbeauftragte.
  • Einen Satz für die Klasse vorbereiten. Schülerinnen und Schüler brauchen keine Grundsatzdebatte, sondern eine klare, wiederholbare Regel.
  • Mit dem risikoärmsten Einsatzbereich starten. Vorbereitung und Verwaltung bringen den größten Zeitgewinn bei geringstem Konfliktpotenzial — hier lohnt sich der erste Versuch.
  • Die Bewertungsfrage bewusst vertagen, statt sie zu ignorieren. Nicht jede Frage muss in Woche zwei gelöst sein — aber sie sollte auf der Liste stehen, statt unter den Tisch zu fallen.

Ein Seitenblick: das KI-Seepferdchen

Passend zum Schulstart hat eine von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission vorgeschlagen, für Grundschulkinder einen verpflichtenden KI-Grundschein einzuführen — in Anlehnung an das Schwimm-Seepferdchen. Dazu käme verbindliche Medienbildung im Lehramtsstudium. Ob und wie das kommt, ist offen. Aber die Richtung ist bemerkenswert: KI-Kompetenz wird zunehmend als Grundfertigkeit gedacht, ähnlich wie Schwimmen oder Lesen — nicht als Zusatzthema für technikaffine Lehrkräfte.

Fazit

Die Regeln müssen nicht am ersten Schultag perfekt stehen. Aber die ersten Wochen sind der Moment, in dem sich Zeit dafür findet, bevor der Alltag sie wieder auffrisst. Drei Fragen, zehn Minuten im Kollegium, ein verständlicher Satz für die Klasse — das ist realistischer als eine ausgefeilte Richtlinie, die nie fertig wird, weil niemand die Zeit dafür findet.

Ich sehe in Workshops immer wieder: Die Schulen, die früh eine einfache, gemeinsame Linie finden, haben im Laufe des Schuljahres deutlich weniger Konflikte als die, die das Thema vor sich herschieben. Nicht weil ihre Regeln perfekter sind — sondern weil überhaupt welche existieren.

Für Schülerinnen und Schüler, die KI strukturiert zum Üben nutzen wollen, gibt es schoolbook auf nora-ki.de — KI-Lernbuddys, die ich mit educube entwickelt habe, damit digitales Lernen eine sinnvolle Ergänzung zum Unterricht bleibt, kein Ersatz dafür.

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Häufige Fragen

Braucht jede Schule eine eigene KI-Richtlinie?
Nicht zwingend eine ausformulierte Richtlinie — aber mindestens eine gemeinsame Verständigung im Kollegium. Wichtiger als ein perfektes Dokument ist, dass Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler und Eltern wissen, woran sie sind: Wofür darf KI genutzt werden, wofür nicht, und wer entscheidet das. Das lässt sich in einer Fachkonferenz klären, ohne auf eine landesweite Regelung zu warten.
Welche KI-Tools dürfen Lehrkräfte überhaupt nutzen?
Das hängt vom Bundesland ab. Hamburg stellt Lehrkräften etwa Fobizz zur Verfügung, Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern setzen auf Telli, Berlin zieht 2026 nach. Der erste praktische Schritt ist simpel: im Kollegium oder bei der Schulleitung nachfragen, welches Tool die eigene Schule bereits lizenziert hat — statt auf eigene Faust einen privaten ChatGPT-Account zu nutzen.
Worauf muss ich beim Datenschutz achten, wenn ich KI im Unterricht einsetze?
Die Faustregel: keine personenbezogenen Schülerdaten in öffentliche KI-Systeme eingeben. Für die reine Unterrichtsvorbereitung — Aufgaben entwerfen, Texte vereinfachen, Ideen sammeln — ist ein KI-Tool in der Regel unproblematisch. Sobald Namen, Klassenzuordnungen oder Informationen zu einzelnen Kindern im Spiel sind, fehlt für einen privaten Account die rechtliche Grundlage. Dafür sind die von der Schule bereitgestellten, datenschutzkonformen Tools da.
Was ist das 'KI-Seepferdchen', von dem gerade die Rede ist?
Eine von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission hat vorgeschlagen, für Grundschulkinder eine Art verpflichtenden KI-Grundschein einzuführen — angelehnt ans Schwimm-Seepferdchen. Dazu käme verbindliche Medienbildung im Lehramtsstudium. Beschlossen ist davon noch nichts, aber die Richtung zeigt: KI-Kompetenz wird zunehmend als Grundfertigkeit verstanden, nicht als Extra-Thema für Interessierte.
Was ist nora-ki.de und wie hängt es mit dem Thema zusammen?
nora-ki.de ist eine KI-Lernplattform, die ich mit educube entwickelt habe. Für Schülerinnen und Schüler gibt es schoolbook — KI-Lernbuddys, die beim eigenständigen Üben unterstützen, ohne Lehrkräfte zu ersetzen. Genau die Fragen, die ich in diesem Artikel für Lehrkräfte stelle — wofür KI nutzen, wo bleibt die pädagogische Verantwortung — begleiten mich auch bei der Arbeit an dieser Plattform.
Schulstart 2026: Warum die ersten Wochen der beste Zeitpunkt sind, KI-Regeln zu klären — Steffen Schuster