7. Juli 2026

Lernen mit KI in der ZFA-Ausbildung: Was wirklich funktioniert

Wie KI-Tools angehenden zahnmedizinischen Fachangestellten helfen, Fachbegriffe zu festigen, Abrechnungscodes zu verstehen und Patientengespräche zu üben — und wo die Grenzen liegen.

Steffen Schuster

Steffen Schuster

Pädagoge & KI-Pionier aus Hamburg. Gründer von nora-ki.de und educube GmbH.

Ich war eingeladen, einen Nachmittag lang mit Auszubildenden zur zahnmedizinischen Fachangestellten zu arbeiten. Zwölf junge Frauen, alle im ersten oder zweiten Lehrjahr, eine Berufsschulklasse in Hamburg. Die Lehrerin hatte mich angefragt, weil sie wissen wollte, ob KI-Tools ihren Schülerinnen beim Lernen wirklich helfen können — oder ob das alles eher Spielerei ist.

Der Auftrag: KI als Lernbegleiterin, nicht als Abkürzung

Ich bin mit einer klaren Haltung in diesen Nachmittag gegangen: Ich zeige nicht, wie man mit KI Aufgaben umgeht. Ich zeige, wie man mit KI besser lernt. Das ist ein feiner, aber entscheidender Unterschied — und genau dort liegt das Potenzial für eine Ausbildung wie die zur ZFA.

Die ZFA-Ausbildung ist anspruchsvoll. Fachwissen über dentale Anatomie, Abrechnungssysteme (GOZ und BEMA), Hygienevorschriften, Patientenkommunikation — das ist kein simples Auswendiglernen, sondern echtes Verstehen. Genau dafür eignet sich KI als Gesprächspartnerin erstaunlich gut.

Wir haben uns zu Beginn eine Frage gestellt: Wofür braucht ihr beim Lernen meistens am längsten? Die Antworten kamen schnell. Fachbegriffe, die sich keiner merken kann. Abrechnungspositionen, die abstrakt bleiben. Und Patientensituationen, auf die man sich irgendwie vorbereiten soll, ohne vorher wirklich geübt zu haben.

Was die Gruppe in zwei Stunden rausgefunden hat

1. Fachbegriffe lernen mit einem Gegenüber, das nie ungeduldig wird

Wir haben eine einfache Übung gemacht: Eine Auszubildende gibt einem KI-Tool einen Fachbegriff — zum Beispiel „Parodontitis" — und bittet darum, ihn so zu erklären, als würde man ihn einer Freundin erklären. Dann stellt sie Rückfragen, bis sie es wirklich verstanden hat.

Was passiert ist, hat mich selbst überrascht. Die Schülerinnen haben angefangen, die KI herauszufordern. „Aber warum blutet das Zahnfleisch dann genau da?" „Und was hat das mit Rauchen zu tun?" Das Gespräch war plötzlich lebendig — nicht weil die KI so toll ist, sondern weil das Format des Dialogs das Denken aktiviert. Kein Lehrbuch antwortet auf Rückfragen.

Auszubildende, 1. Lehrjahr: „Ich hab das Wort bestimmt zwanzigmal gelesen und nie wirklich kapiert. Jetzt kann ich's erklären."

2. GOZ und BEMA: Abrechnungspositionen endlich begreifen

Abrechnungssysteme gehören zu den unbeliebtesten Lernthemen in der ZFA-Ausbildung — und das vollkommen zu Recht. Die Positionen wirken auf den ersten Blick willkürlich, die Abkürzungen sagen nichts, und der Zusammenhang mit der Praxis ist schwer herzustellen.

Wir haben ausprobiert, KI als Übersetzerin einzusetzen. Eine Auszubildende hat eine GOZ-Position eingegeben und gefragt: „Was macht der Zahnarzt genau bei dieser Leistung, und warum kostet das so viel?" Die Antworten waren nicht immer fehlerfrei — das war ein wichtiger Lernmoment: KI kann irren, und gerade im Abrechnungsbereich muss man das wissen. Aber als Einstieg, um Zusammenhänge zu verstehen, bevor man ins Detail geht, funktioniert es.

3. Patientengespräche üben, bevor der erste echte Patient sitzt

Das war der Moment des Nachmittags. Eine Auszubildende hat mit der KI ein Rollenspiel gemacht: Sie spielt die ZFA, die KI spielt einen verängstigten Patienten vor einer Extraktion. Was dabei entstand, war kein perfektes Gespräch — aber es war Übung. Echter als ein Lehrbuchtext, weniger einschüchternd als eine Übung vor der Klasse.

Die Lehrerin neben mir sagte leise: „Das hätte ich gerne gehabt, als ich selbst gelernt hab."

Was wir daraus mitnehmen

  • KI ist kein Abschreibtool, sondern ein Denkpartner: Wer KI im Dialog einsetzt statt zum Kopieren, lernt tatsächlich mehr — das hat dieser Nachmittag gezeigt.
  • Das Format Dialog aktiviert das Denken: Schülerinnen, die passiv lesen, schalten ab. Schülerinnen, die Fragen stellen und Antworten hinterfragen, bleiben dabei.
  • Fehler gehören dazu: KI macht Fehler, besonders bei spezifischen Fachinhalten wie Abrechnungspositionen. Das zu wissen ist keine Warnung — es ist eine Kompetenz. Wer KI kritisch nutzt, lernt auch kritisch zu denken.
  • Praxisnähe lässt sich simulieren: Nicht perfekt, aber genug um anzufangen. Rollenspiele, Fallbeispiele, Prüfungssimulationen — das alles ist mit KI in wenigen Minuten aufgesetzt.

Fazit

Ich verlasse solche Nachmittage immer mit gemischten Gefühlen — im guten Sinne. Einerseits sehe ich, wie viel Potenzial da ist. Andererseits merke ich, wie viel es braucht, damit das Potenzial sich wirklich entfaltet: eine Lehrperson, die das ermöglicht. Eine Haltung, die Fragen wertschätzt. Ein Rahmen, in dem Ausprobieren erlaubt ist.

KI macht aus einer schlechten Lernsituation keine gute. Aber sie gibt engagierten Auszubildenden ein Werkzeug in die Hand, das rund um die Uhr verfügbar ist, nie seufzt und immer Geduld hat.

Die Frage, die mich noch beschäftigt: Wie viele Berufsschullehrerinnen würden so einen Nachmittag gerne ausprobieren — und haben schlicht noch nie die Gelegenheit gehabt?

Wenn du KI als Lernbegleiterin in deiner Praxis oder Berufsschule einsetzen möchtest, schau dir nora an — eine KI-Assistentin, die ich speziell für Lernende in Ausbildung und Schule entwickelt habe.

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Häufige Fragen

Kann KI die Berufsschullehrerin ersetzen?
Nein — und das ist auch nicht das Ziel. KI funktioniert am besten als ergänzendes Lernwerkzeug: Es steht rund um die Uhr zur Verfügung, erklärt geduldig und passt sich dem Tempo der Lernenden an. Aber das didaktische Urteilsvermögen, die Beziehung und die Erfahrung einer guten Lehrperson kann kein KI-Tool ersetzen.
Welche KI-Tools eignen sich konkret für ZFA-Auszubildende?
Generative Sprachmodelle wie ChatGPT, Claude oder nora-ki.de eignen sich gut für das Erklären von Fachbegriffen, das Durchspielen von Patientengesprächen und das Vorbereiten auf mündliche Prüfungen. Für Abrechnungsfragen (GOZ/BEMA) sollten KI-Antworten immer gegen offizielle Quellen geprüft werden — KI macht hier gelegentlich Fehler.
Ist der Einsatz von KI in der Ausbildung datenschutzrechtlich erlaubt?
Das hängt vom jeweiligen Tool ab. Öffentlich zugängliche Sprachmodelle sollten nie mit echten Patientendaten oder sensiblen Praxisinformationen verwendet werden. Für schulische Lernzwecke ohne personenbezogene Daten ist die Nutzung in der Regel unproblematisch — es empfiehlt sich, die Rahmenbedingungen mit der Berufsschule abzustimmen.
Wie überzeuge ich meine Ausbilderin oder meinen Arbeitgeber von KI im Lernen?
Am überzeugendsten ist ein konkretes Beispiel: Zeig, wie du ein schwieriges Thema aus dem Unterricht mit KI erarbeitet und dann besser verstanden hast. Praxisnähe und nachweisbarer Lernfortschritt sind überzeugender als abstrakte Argumente über KI-Potenziale.
Was ist nora-ki.de und wie hilft es ZFA-Auszubildenden?
nora-ki.de ist eine KI-Assistentin, die speziell für Lernende in Ausbildung und Schule entwickelt wurde. Sie hilft beim Verstehen von Fachinhalten, beim Üben von Prüfungswissen und beim Strukturieren von Lernstoff — ohne die Ablenkungen generischer KI-Tools. Kostenlos ausprobierbar unter nora-ki.de.